Der Themenbereich bietet Informationen und Werkzeuge, um aus regionaler Sicht geeignete Flächen für Wohnbebauung zu identifizieren und Hinweise für ihre Umsetzung zu generieren.

Allgemeine Beschreibung

Der Themenbereich Wohnbaupotenziale bündelt flächenbezogene Informationen und Werkzeuge, die vor allem Kommunen bei der Identifikation neuer Wohnbauflächen unterstützen können. Dies ist erstens der Hauptindikator Wohnbaupotenziale, der die Größe geeigneter Wohnbauflächen je Prüfort anzeigt. Zweitens werden Informationen zum Raumwiderstand bereitgehalten. Diese werden um ein Werkzeug ergänzt, mit dem Sie für konkrete Flächen die Belange nachvollziehen können, die einer Wohnbebauung entgegenstehen. Drittens enthält dieser Themenbereich Informationen zur Erreichbarkeit von Einrichtungen der Daseinsvorsorge. Viertens können Sie hier Aspekte für die Umsetzung konkreter Wohnbaugebiete abrufen, die ihre Einbindung in die Kulturlandschaft fördern.

Hauptindikator Wohnbaupotenziale

Der Hauptindikator baut auf den Ergebnissen des Teilindikators Raumwiderstand auf. In einem zweiten Schritt werden diese Ergebnisse mit einer Bewertung der Erreichbarkeit des öffentlichen Personennahverkehrs überlagert. Die Haltestellen stammen aus dem OpenData-Angebot des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes. Die Erreichbarkeiten werden auf der Basis von Service-Area-Berechnungen erstellt. Dazu wird die Programmierschnittstelle des Anbieters Openrouteservice verwendet. Diese wiederum nutzen ein Straßennetz auf der Basis von OpenStreetMap. Durch diese Überlagerung wird die grundsätzliche wohnbauliche Eignung mit der angestrebten Nutzung des ÖPNV verfeinert. Folgende Tabelle zeigt die Bewertung des Potentials auf Basis des Raumwiderstandes und der Erreichbarkeit:

In einem dritten Schritt prüfen Mitarbeiter der Regionalen Planungsstelle die generierten Flächen. Dazu greifen sie auf folgende Kriterien zurück::

  • Flächenzuschnitt (Reduzierung oder Erweiterung, im Rahmen einer baulichen Tätigkeit tatsächlich nutzbare Fläche)
  • Sicherung in bestehenden Bauleitplänen, Prüfung auf bereits erfolgte Bebauung und Prüfung auf Status als Kompensationsfläche (Ausgleichs- und Ersatzflächen)
  • Siedlungsstrukturelle und städtebauliche Eignung (u. a. Lage ohne siedlungsstrukturelle Anbindung, Immissionsschutz: Lage nahe großen Industrieanlagen und Gewerbekomplexen)
  • bekannte Alternativplanungen der Kommunen (v. a. im Testraum Großpösna, Naunhof, Belgershain, Parthenstein im Rahmen des Beteiligungsprozesses erfasst)
  • Lage in Landschaftsschutzgebieten (Vermerk, da ggf. Ausgliederung zu prüfen wäre)

Priorisierung der Wohnbaupotentiale

Die einzelnen Flächen sind entsprechend ihrer städtebaulichen Lage und ihrer Eignung für Wohnbebauung klassifiziert und priorisiert. Die folgenden Prioritätsklassen werden unterschieden:

Um dem Auftrag eines ressourceneffizienten Landmanagements gerecht zu werden, wird eine Priorisierung dieser Flächen eingeführt: je weniger konfliktträchtig und je besser erreichbar eine Fläche ist, desto höher ist ihre Priorität. Die Prioritäten kommen im Kontext unterschiedlicher möglicher Entwicklungsszenarien zur Anwendung: zum Beispiel wird es als planerisch sinnvoll eingeschätzt, dass Flächen geringer Priorität im Falle eines geringen Bevölkerungszuwachses nicht in Anspruch genommen werden, sondern vorrangig auf die Flächen hoher Priorität zurückgegriffen wird. Damit stellt die Priorisierung der Wohnbaupotenzialflächen im Kontext unterschiedlicher Entwicklungsszenarien ein Handlungsinstrument zum Umgang mit ungewissen Entwicklungen dar. Die folgenden Prioritätsklassen werden unterschieden, wobei die Eignungsklassen (sehr gut, gut und mäßig) und die Lage in bestehenden Bauleitplänen berücksichtigt werden:

  • Priorität 1: sehr gut und gut geeignete Wohnbaupotenzialflächen im zusammenhängend bebauten Bereich und sehr gut und gut geeignete Flächen in genehmigten B-Plänen
  • Priorität 2: mäßig geeignete Wohnbaupotenzialflächen im zusammenhängend bebauten Bereich und mäßig geeignete Flächen in genehmigten B-Plänen
  • Priorität 3: sehr gut und gut geeignete Flächen im Umfeld der Siedlung (200 m Umkreis um die Ortslage)
  • Priorität 4: mäßig geeignete Flächen im Umfeld der Siedlung (200 m Umkreis um die Ortslage)
  • Priorität 5: weitere freie Flächen in genehmigten B-Plänen (Wohn- und Mischgebiete)

Teilindikator 1: Raumwiderstand

Die Analyse des Raumwiderstands ist eine Methode, um die Konfliktträchtigkeit von Wohnbebauung auf Flächen abzuschätzen. Im Folgenden wird zwischen einem raumordnerischen und einem umweltbezogenen Widerstand unterschieden: Der raumordnerische Widerstand basiert auf den Festlegungen des Regionalplans Leipzig-Westsachsen, während der umweltbezogene bedeutende Inhalte aus dem Fachbeitrag „Naturschutz & Landschaftspflege“ des Regionalplans Leipzig-Westsachsen  berücksichtigt und sich auf die Schutzgüter nach § 1 des Bundesnaturschutzgesetzes und § 2 Abs. 1 des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung bezieht. In beiden Teilen werden all jene Inhalte berücksichtigt, die einer baulichen Nutzung für Wohnen und Gemeinwesen in unterschiedlichem Grad entgegenstehen.

Methodik Raumwiderstand

Die Bewertung wird pro Widerstand (raumordnerisch & umweltbezogen) in zwei Ebenen durchgeführt: jedes Kriterium wird hinsichtlich seines Konfliktpotentiales gegenüber einer baulichen Nutzung für Wohnen und Gemeinwesen zuerst dreistufig bewertet (hoch, mittel, gering). Über eine hohe Konfliktträchtigkeit hinaus werden all jene Kriterien gesondert markiert, die eine solche Nutzung praktisch ausschließen (besonders konfliktträchtig).

umweltbezogene Konflikte
raumordnerische Konflikte
Charakterisierung
Stufe der Konflikträchtigkeit
Definition
Stufe der Konflikträchtigkeit
Definition
besonders Konfliktträchtiggesonderte Kennzeichnung hoch konfliktträchtiger Standortebesonders Konfliktträchtiggesonderte Kennzeichnung hoch konfliktträchtiger StandorteFlächen besonderer Konfliktträchtigkeit auf regionaler Ebene, die als Ausschlussflächen im Rahmen einer Bebauungsplanung für Wohn- und Gemeinbedarfszwecke anzusehen sind
Sehr hochÜberlagerung von min. vier hoch konfliktträchtigen KriterienhochVorhandensein min. einer hoch konfliktträchtigen DarstellungFlächen hoher Konfliktträchtigkeit auf regionaler Ebene, die nur im Ausnahmefall als Flächen zur näheren Betrachtung im Rahmen einer Bebauungsplanung für Wohn- und Gemeinbedarfszwecke anzusehen sind
hochÜberlagerung von zwei oder drei als hoch konfliktträchtig oder von mindesten fünf als mittel konfliktträchtig bewerteten Kriterien
mitteleine hohe Bewertung oder Überlagerung von zwei bis vier als mittel konfliktträchtig bewertete KriterienmittelVorhandensein von in gerinem Maß konfliktträchtigen DarstellungenFlächen mittlerer Konfliktträchtigkeit auf regionaler Ebene, nur eingeschränkt als Potenzialflächen zur nähreren Betrachtung im Rahmen einer Bebauungsplanung für Wohn- und Gemeinbedarfszwecke anzusehen sind
geringeine mittlere Bewertung oder nur gering konfliktträchtig bewertete KriteriengeringVorhandensein von in geringem Maß konfliktträchtigen DarstellungenFlächen geringer Konfliktträchtigkeit auf regionalplanerischer Ebene, die im Umkehrschluss als Potentialflächen zur näheren Beleuchtung im Rahmen einer Bebauungsplanung für Wohn- und Gemeinbedarfszwecke anzusehen sind
keineentfällt

Abfragewerkzeug Raumwiderstand

Der Teilindikator steht für alle Gemeinden und Ortsteile der Planungsregion zur Verfügung und bietet so eine Orientierung für Vorhaben im Rahmen der Eigenentwicklung. Da die beiden Teilbereiche des Raumwiderstandes aus zahlreichen Einzelkriterien basieren, wird ein Abfrageraster von 50 x 50m zur Verfügung gestellt, was der nutzenden Person einen Überblick über die an dieser Stelle zutreffenden Kriterien ermöglicht.

Erreichbarkeit von Einrichtungen der Daseinsvorsorge

Diese Zusatzinformationen ermöglichen einen regionalen Überblick zur fußläufigen Erreichbarkeit von Einrichtungen der Daseinsvorsorge in der Region Leipzig-Westsachsen. Mit ihnen lassen sich zum einen unterversorgte Bereiche in der Region identifizieren. Zum anderen bieten sie über die Wohnbaupotenziale hinaus ein weiteres Hilfsmittel für die Identifikation geeigneter Standorte für den Zusatzbedarf. Da diese Analysen regionsweit vorliegen, können sie auch für Entscheidungen zur Lage neuer Wohnbaugebiete im Rahmen der Eigenentwicklung genutzt werden. Zu berücksichtigen ist, dass die Entfernungsbereiche mit vergleichsweise hohen maximalen Erreichbarkeitsdistanzen für Bewertungen in ländlichen Räumen geeignet sind. Die Methode mitsamt den Bewertungen entwickelte das Projekt Interko2, wobei es sich an vergleichbaren Analysen in anderen deutschen Regionen orientierte. Die betrachteten Einrichtungen der Daseinsvorsorge entsprechen mit einer Ausnahme denjenigen, die für die Identifikation der Prüforte genutzt werden. Ergänzend beziehen diese Zusatzinformationen die Erreichbarkeit von Straßenbahnhaltestellen ein.

Daseinsvorsorge4 Punkte3 Punkte2 Punkte1 Punkt0 Punkte
Kindertagesstättebis 500 mbis 1000 mbis 1500 mbis 2500 m> 2500 m
allgemeinbildende Schule bis 1000 mbis 1500 mbis 3000 mbis 6000 m> 6000 m
Nahversorger (Supermarkt, Discounter)bis 500 mbis 1000 mbis 2500 mbis 4000 m> 4000 m
Hausarztbis 1000 mbis 2000 mbis 3000 mbis 6000 m> 6000 m
Apothekebis 1000 mbis 2000 mbis 3000 mbis 6000 m> 6000 m
S-Bahnhaltepunkt/Bahnhofbis 500 mbis 1000 mbis 2000 mbis 3000 m> 3000 m
Plus-Bus bzw. Straßenbahnhaltebis 300 mbis 600 mbis 1000 mbis 2000 m> 2000 m

Datengrundlagen

Die folgenden Datenquellen werden für diesen Indikator verwendet:

  • Apothekenstandorte: Adressliste der Apothekerkammer Sachsen
  • Ärztestandorte: Adressliste Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen
  • ÖPNV-Haltestellen: OpenData-Angebot Mitteldeutscher Verkehrsverbund
  • KITA-Standorte: statistisches Landesamt
  • Schulstandorte: Raumplanungsinformationssystem
  • Supermärkte: Regionaler Planungsverband (ab Aktualisierung 2024, vorher OpenStreetMap)

Darstellung

Die Gesamtbewertung wird flächig in Ampelfarben dargestellt. Darüber hinaus enthält die Karte die Standorte der Einrichtungen der Daseinsvorsorge, die in die Bewertung eingeflossen sind.

Informationen zu kulturlandschaftlichen Aspekten

Allgemeine Beschreibung

Kulturlandschaft meint eine anthropogen veränderte und beeinflusste Landschaft. Aufbauend auf den Inhalten eines integrierten Kulturlandschaftskonzepts (Download), das im Projekt StadtLandNavi erarbeitet wurden, werden für jede Wohnbaupotenzialfläche Entwicklungsoptionen aufgezeigt, die eine Eingliederung der baulichen Nutzung in die kulturlandschaftliche Typik der Umgebung fördert. Darüber hinaus trägt eine Umsetzung der kulturlandschaftlichen Aspekte dazu bei, die Resilienz gegenüber Auswirkungen des Klimawandels wie zunehmenden Starkregenereignissen zu stärken. Diese kulturlandschaftlichen Aspekte bieten u. a. Informationen zu Kompensationsmaßnahmen auf den einzelnen Wohnbaupotenzialflächen selbst sowie zur Gestaltung und thematische Ausrichtung von Ausgleichs- und Ersatzflächen.

Um unterschiedlichen Prägungs- und Intensitätsgraden der relevanten kulturlandschaftlichen Fragestellungen Rechnung zu tragen, werden die Entwicklungsoptionen in drei Kategorien eingeteilt: Anforderungen, Empfehlungen und Hinweise. An dieser Stelle ist wichtig zu betonen, dass die Entwicklungsoptionen keine baurechtliche Verbindlichkeit entfalten – sie werden als Optionen für eine kulturlandschaftlich angepasste und resiliente Landschaftsentwicklung betrachtet:

  • Anforderungen stellen dabei die oberste Bedeutungsebene dar: die dort formulierten Inhalte sind aus planerischer Sicht am bedeutendsten für eine landschaftsangepasste bauliche Entwicklung.
  • Empfehlungen sind auf einer unteren Bedeutungsebene positioniert. Das heißt in Konsequenz allerdings keinesfalls, dass diese Inhalte entbehrlich wären! Vielmehr stellt die Priorisierung das Sichern planerischer Optionen im Hinblick auf die unbestimmte konkrete bauliche Nutzung bzw. Ausgestaltung der Wohnbaupotenzialfläche dar.

Hinweise sind weiträumig geltende Entwicklungsoptionen: auf dem Niveau kulturlandschaftlicher Teilräume werden essenzielle Bestandteile des Kulturlandschaftskonzeptes aus vorgenannter Broschüre auf die in diesem Kulturlandschaftsraum befindlichen Wohnbaupotenzialflächen projiziert.